50 Jahre SC Rist…mit Olaf Möller

  • 17. Januar 2018

Wedeler Basketball-Geschichte und -Geschichten: Anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums sprechen in unserer Artikelreihe Rist-Persönlichkeiten über ihren Klub, ihre Karriere und mehr.

Olaf Möller zu Trierer Zeiten

Wenn Olaf Möller über den SC Rist spricht, tut er das unweigerlich aus mehreren Perspektiven: Als Vorstandsmitglied, als Vater eines der derzeit größten Wedeler Talente ebenfalls, aber selbstredend auch als ein früherer Spieler, der die große Zeit der Rister miterlebte und im weiteren Verlauf seiner Karriere mit Trier in der Bundesliga für Furore sorgte.

Dass der SC Rist im Jubiläumsjahr als siebtgrößter Basketball-Vereins dastehe, sei ehrenvoll, sagt Möller. „Und das in einer relativ kleinen Stadt wie Wedel. Das spricht schon für die Arbeit des Vereins. In der Menge, in der Begeisterung für den Sport hat der Verein in den letzten Jahren nach wie vor sehr viel geleistet“, findet er.

Die Begeisterung für die Sportart nahm zu jener Zeit, als Möller selbst für die 1. Herren auflief, zweifellos Züge eines Basketball-Fiebers an. 1986 schaffte er den Sprung in den Zweitligakader und sollte bis 1991 die „große Zeit“ nicht nur miterleben, sondern auf dem Spielfeld aktiv mitgestalten. Geplant war das alles – und was später folgte – nicht, sagt der 49-Jährige rückblickend. „Das hat sich mehr so ergeben. Ganz ehrlich, als ich am Ende in der ersten Liga gespielt habe und dafür Geld bekommen habe, habe ich eigentlich jeden Monat ungläubig auf meinen Kontoauszug ausgeguckt. Dass ich mit Basketball so viel Geld verdienen könnte, war mir fast ein bisschen fremd. Ein komisches Gefühl“, schmunzelt er. Eine Zufallskarriere? Wohl nicht, aber zumindest eine auch für ihn selbst unverhoffte Entwicklung, die er im Trikot der 1. Herren kräftig anschob: „In meiner Jugend habe ich eigentlich gar nicht so viel trainiert. Wir hatten zweimal die Woche Training und haben am Wochenende gespielt, das war’s. Wirklich reingekommen in den Basketball bin ich, als ich 17, 18 war. Ich habe angefangen, neben der Jugendmannschaft auch in den 2. Herren zu spielen und gemerkt: Mensch, ich kann ja doch ein bisschen was.“ Eine tolle Athletik gepaart mit guter Technik und einem sicheren Wurf machten den 2,03 Meter großen Power Forward und Center zu einem Talent, das das damalige Wedeler Trainergespann Klaus „Mike“ Smollich/Bernd Karow in seinen Reihen wissen wollte – zu Möllers großer Überraschung: „Damals hat mich Mike Smollich angesprochen und gesagt: Ich möchte, dass Du 1. Herren spielst. Ich habe ihn, glaube ich, völlig verdutzt angeguckt: Ich? Wieso ich denn? Ich war in dem Alter gar nicht so selbstbewusst.“ Wertvolle Hilfe gab’s aber von den Mannschaftskollegen, getreu dem Motto: Eine Generation lernt von der anderen. „Goldene Generation ist zwar vielleicht ein verbrauchter Begriff, aber ein Stück weit ist das schon wahr“, erzählt Möller. „Als ich in die 1. Herren kam, gab es da viele arrivierte Spieler wie Ingo Knillmann, Christian Pauk und Bernd Röder. Das waren gestandene, sehr gute Spieler, an denen man sich als junger Spieler orientieren konnte und von denen man gelernt hat.“

Dritter, Zweiter, Zweiter, Sechster und Zweiter lauteten die Schlussplatzierungen in Möllers 1. Herren-Jahren (1986 – 1991) in der 2. Bundesliga Nord. Die großen Zeiten eben, ganz zu schweigen vom Erreichen des Pokalhalbfinals im Frühjahr ’88 mit Siegen gegen die Erstligisten Langen und Ludwigsburg. „Das Viertelfinale, gar nicht mal das Halbfinale, war für mich das allergrößte Spiel meiner Wedeler Karriere“, sagt er. Die Rister lagen gegen Ludwigsburg um den Star André Hills schon hoch im Rückstand, bogen die Partie noch um und gewannen in der Verlängerung. „Das war schon ein unfassbares Erlebnis. Die Halle war ja auch unglaublich voll und stand natürlich Kopf. Die Szenen werde ich nie vergessen, als am Ende des Spiels alle aufs Spielfeld stürmten, man gefeiert hat und gefeiert wurde. Das war schon toll“, erinnert er sich.

Ein großer Karriereschub des Wedeler Centers stand mit dem Namen Svetislav Pesic in Zusammenhang: Der spätere Europameistertrainer lud Möller zu Lehrgängen der neuzubildenden U22-Nationalmannschaft ein, der Rister schaffte den Sprung in den zwölfköpfigen DBB-Kader. „Das war für mich ein Riesenerfolg“, blickt er zurück. Und ein Erfolg, der Rückenwind gab. 1991 verlegte er seinen Studienort von Hamburg nach Karlsruhe und spielte für den dortigen Zweitligisten. „Mein Ziel war eigentlich, dass ich mit dem Basketball mein Studium finanzieren kann. Auf mehr habe ich nicht spekuliert“, sagt er. Doch es kam mehr. „Zu meiner eigenen Überraschung wurde ich immer besser“, lacht der 49-Jährige. Beim TSV Speyer folgte der nächste Entwicklungsschritt, Möller etablierte sich als einer der besten Spieler der 2. Bundesliga Süd.

Das Interesse für den Großen aus der Wedeler Schule wuchs, die Bundesliga meldete sich. Nach einem Studienaufenthalt in den USA wurde es 1995 schließlich Trier. Was er da noch nicht wusste: Gemeinsam mit Carl Brown, Bernard Thompson, James Marsh, Trainer Don Beck und anderen sollte er die erfolgreichste Zeit der Moselaner prägen. „Im Nachhinein bin ich extrem stolz darauf“, sagt er. Aus einem Abstiegskandidaten wurde auch dank Möllers Zutun eine Mannschaft, die die Bundesliga-Hauptrunde 96/97 als Dritter abschloss, 97/98 erst im Playoff-Halbfinale gegen den späteren Meister Alba Berlin ausschied, in der selben Saison Pokalsieger wurde und 98/99 das Viertelfinale der BBL-Meisterrunde erreichte. „Das waren schon extrem erfolgreiche Zeiten. Auch der Pokalsieg – der war sensationell. Man musste ja immer sehen, wo wir herkamen. Vom Budget her waren wir nicht in der Lage, mit den Großen mitzuhalten. Damals war Bayer Leverkusen dick im Geschäft, Alba Berlin war der Serienmeister. Die und zwei, drei andere Mannschaften hatten völlig andere Möglichkeiten als wir. Wir waren immer so der Underdog aus der Provinz und haben immer davon gelebt, dass wir wirklich ein Team waren. Mit Bernard Thompson und Carl Brown hatten wir auch zwei sehr gute Amerikaner.“ Möller war durchgehend Trierer Stammkraft, obwohl er gar nicht mal mit dieser Aussicht in seine Erstligazeit gegangen war: „Don Beck hat mich zwar verpflichtet, aber ich glaube, er hatte nicht die ganz große Hoffnung, dass ich durchstarte“, erinnert sich der Rister, der aber bereits kurz nach dem Beginn seiner ersten Saison in Triers „erster Fünf“ stand und diesen Platz auch nicht mehr hergab. „Wovon ich immer profitiert habe, war, dass ich auch von außen werfen konnte und auch mal einen Dreier verwandeln konnte. Heute ist das selbstverständlich und viele große Spieler können es, aber damals war das eher noch ungewöhnlich. Das war schon etwas, was ich der Ausbildung beim SC Rist verdankte.“

Mittlerweile bringt er seine Erfahrung, auch den „Blick von außen“, wie er es nennt, in die Vorstandsarbeit beim SC Rist ein. „Der Verein liegt mir am Herzen, und es gibt sicher noch ein paar Dinge, die man verbessern kann und sollte. Wenn man dann Lust und Zeit hat, bringt man sich auch ein. Und wenn man dann noch gefragt wird, schließt sich der Kreis“, sagt Möller, der als Kassenwart Rist-Finanzminister ist und in der Hinsicht nicht nur seine Kompetenz als Basketballer, sondern auch als Unternehmer einbringt. Sein Sohn Leif hat Basketball-Begeisterung und -talent geerbt – logisch, dass da der Sport zu Hause Gesprächsthema ist. Wird dann auch mal eine Anekdote aus der eigenen Bundesligakarriere ausgepackt? „Das ist ja immer so bei einem Vater-Sohn-Verhältnis, dass der Vater mehr erzählt, als der Sohn wissen will. Also kommt er da ohnehin nicht dran vorbei“, lacht Möller. „Aber er ist schon jemand, der Rat erfragt und annimmt.“

Was wünscht Olaf Möller, der übrigens wie der Wedeler Basketball in diesem Jahr seinen „Fünfzigsten“ begeht, dem SC Rist zum Jubiläum? „Ich wünsche dem Verein, dass er weiterhin so viele Menschen von dem Sport begeistert und der Zusammenhalt innerhalb des Vereins weiterhin so super ist. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Und ich wünsche mir, dass wir es ein bisschen mehr schaffen, an die alten Erfolge anzuknüpfen. Man darf da nicht so illusorisch und sentimental sein, dass man sagt: So soll es wieder sein, so wie früher. Das ist Nonsens. Aber dass man das Ziel hat – das wir auch im Vorstand versuchen umzusetzen – vielleicht pro Jahr einen Wedeler in die 1. Herren zu bringen. Das muss doch irgendwie möglich sein. Dass man bei einem ProB-Spiel, das ja immer noch ein tolles Event ist, auch wieder ein paar eigene Talente sieht.“