1. Herren: Steffen Kiese setzt den Schlusspunkt

  • 18. April 2018

Steffen Kiese sagt der ProB ade. Fotos: Claus Bergmann

Neun Jahre liegen zwischen Steffen Kieses ersten Auftritten in Gelb-Grün und seinem Abschied. 2009 verließ der jetzt 30-Jährige seinen Heimatverein, den Oldenburger TB, und schloss sich dem SC Rist Wedel an. Am Sonnabend setzt er in der Steinberghalle den Schlusspunkt seiner Leistungsportkarriere und absolviert gegen die ETB Wohnbau Baskets Essen seine Abschiedsvorstellung.

Sein Wechsel damals nach Wedel sei „das erste Mal raus aus Oldenburg, das erste Mal Profiluft schnuppern“ gewesen, sagt Kiese. Der SC Rist war gerade in die 2. Basketball-Bundesliga ProB – damals noch in einer bundesweiten Staffel – aufgestiegen. Nach zwei Jahren am Steinberg ging Kiese zum VfL Stade und führte die Niedersachsen 2012/13 mit herausragenden Leistungen zum Gewinn des Regionalliga-Meistertitels und damit zum Sprung in die ProB. In Stade habe er Freunde fürs Leben gefunden, sagt er. 2014 sicherte sich Kiese einen Platz im Premierenkader der Hamburg Towers in der ProA und spielte zwei Jahre als Vollprofi. Angesichts von zwei Trainingseinheiten am Tag, des hohen sportliche Niveaus innerhalb der eigenen Mannschaft und in den Spielen habe er bei den Towers noch einmal mehr Leistung aus sich herauskitzeln können, so Kiese. „Und dann vor 3500 Leuten in der Inselparkhalle zu spielen – das sind so Sachen, die ich nicht so schnell vergessen werden“, sagt er.

Als er 2016 die Towers verließ, habe er bereits die Grundsatzentscheidung treffen müssen, ob er weiterhin Basketball auf der Leistungsebene spielen wolle oder nicht – er entschied sich dafür, trotz Beruf, trotz zusätzlichem Masterstudiengang. „Im ersten Jahr habe ich auch gemerkt, dass ich das ganz gut unter einen Hut bekomme. Es hat mir einfach auch noch so viel Spaß gemacht, weil in Wedel immer eine coole Stimmung im Team und um das Team herum herrscht. Ich habe mich auch körperlich gut gefühlt und wollte es noch ein weiteres Jahr mitmachen. In diesem Jahr habe ich aber gemerkt, dass der Aufwand bei der Arbeit immer größer wird, das Studium hat auch ein bisschen gelitten. Auch der Basketball hat da etwas gelitten. Allen drei Sachen konnte ich nicht gerecht werden – jedenfalls nicht in dem Umfang, in dem ich das auch von mir erwarte. Deswegen habe ich in der Saison relativ schnell gemerkt: ‚Ich glaube, das ist jetzt meine letzte Saison auf dem Niveau, mit dem Aufwand‘ “, erläutert Kiese. „Der Fokus liegt jetzt ganz klar auf dem Job, da möchte ich jetzt die nächsten Schritte machen. Da bin ich auch ehrgeizig und will erfolgreich sein“, sagt er.

Den Schlusspunkt setzt er am Ende einer Saison, die nicht immer nach Wunsch lief. Es ging hoch und runter, letztlich wurden die Playoffs verpasst. „Wir haben uns alle mehr vorgenommen“, so Kiese. „Sportlich war ich von der Saison schon enttäuscht, weil wir viel mehr Potenzial hatten. Wir sind nie so richtig in unseren Rhythmus gekommen, haben teilweise aufblitzen lassen, was möglich gewesen wäre. Auch für mich persönlich lief es nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Saison war sportlich nicht so gut, aber trotzdem hat man gemerkt, dass man gerne zum Training gegangen ist. Wir haben es immer wieder versucht, sind positiv geblieben und haben uns nicht zerfleischt. Wir haben immer versucht, das Ruder herumzureißen, leider ist es uns dann am Ende knapp nicht gelungen, doch noch in die Playoffs zu kommen. Die Stimmung auf dem Weg dorthin war aber durchweg positiv“, sagt er.

Oldenburg, Wedel, Stade, Hamburg und wieder Wedel: Diese Stationen haben ihm, so betont er, neben sportlichen Herausforderungen vor allem auch Zwischenmenschliches gegeben. „Ganz klar, die ganzen Jungs werden mir fehlen: Die Gemeinschaft, die es im Basketball gibt und die mir über die Jahre sehr viel gegeben hat. Man erinnert sich auch an einzelne Spiele und Situationen, aber was es alles ausmacht und warum man den ganzen Aufwand betreibt, ist einfach, dass man gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet und das im besten Fall auch erreicht.“

Der SC Rist sagt: Danke, Steffen! Eine tolle norddeutsche Leistungsbasketballkarriere geht zu Ende.